Bio bei Pflanzen - Düngung - gedüngt wird der Boden, nicht die Pflanze

Durch die Ernte werden dem Boden Nährstoffe entzogen. Die Düngung soll diesen Nährstoffverlust wieder ausgleichen. Tatsache ist: ohne Nährstoffe können Pflanzen nicht wachsen. Die Frage ist nicht, ob man Nährstoffe braucht, sondern wie man sie den Boden zuführt. In der Bio-Landwirtschaft werden statt mineralischen Düngemitteln vermehrt organische Düngemittel eingesetzt. Neben der Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen, wird ebenso der Humus aufgebaut. Fruchtfolgen mit hohen Leguminosenanteil liefern wertvollen Stickstoff. In der Bio-Landwirtschaft werden auch bei der Düngung natürliche Prozesse und die Boden-Pflanzen Wechselwirkungen berücksichtigt und gefördert.

 

Ziele der Düngung

Die Ziele der Düngung in der Bio-Landwirtschaft sind vielfältig. Neben dem allgemeinen Ziel, die Erträge am Feld zu sichern und zu steigern und eine Pflanze mit hoher Qualität zu produzieren (z.B. Eiweißgehalt), steht wiederum die Bodenfruchtbarkeit im Mittelpunkt und soll durch die Düngung erhalten und verbessert werden.  Eine standortangepasste Düngung, Minimierung der Nährstoffausträge und den Schutz der nichterneuerbaren Ressourcen sind weitere Vorhaben der Düngung in der Bio-Landwirtschaft (Friedel, 2015). 

 

In der BIO- Landwirtschaft dürfen keine mineralischen Stickstoffdünger verwendet werden!

 

Justus von Liebig: „Wenn ein Boden seine Fruchtbarkeit dauernd bewahren soll, so müssen ihm nach kürzerer oder längerer Zeit die entzogenen Bodenbestandteile wieder ersetzt werden, d.h. die Zusammensetzung des Bodens muss wieder hergestellt werden.“ Agrikulturchemie , 8. Auflage 1865. Die wohl wichtigste Schlussfolgerung von Justus von Liebig war, dass es möglich sein müsste die fehlenden Nährstoffe im Boden durch gezielte Mineraldüngung auszugleichen. Die wichtigsten Nährstoffe für die Pflanzen sind Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Diese Nährstoffe können auch mit Hilfe von mineralischen Düngemittel dem Boden gezielt zugesetzt werden. Die Pflanze wächst und es kommt zu Ertragssteigerungen.

 

Doch wie wird das in der Bio-Landwirtschaft gemacht? Denn leicht lösliche und synthetische Mineraldünger sind in der Bio-Landwirtschaft verboten. Das gilt besonders für Stickstoffdüngemittel (Wachendorf et al,2018).

 

Der Grund dafür ist, dass die Produktion von mineralischen Stickstoff-Düngern sehr energieintensiv ist. Die Düngemittel können zudem den Boden-pH senken und das beeinflusst die Bodenfruchtbarkeit negativ. Kommen hohe Konzentrationen von NH4+ bzw. NH3 in den Boden, kann das giftig auf die Bodenorganismen wirken. Die falsche Handhabung von Stickstoffdüngemitteln hat zudem negative Auswirkungen auf Grundwasser, Oberflächengewässer und Biodiversität. Aus diesem Grund verzichten die Bio-Landwirte auf mineralische Stickstoffdünger und verfolgen andere Ansätze um den Pflanzen ausreichend Stickstoff bereitzustellen. (Link zu Stickstoff Umwelt)

 

Info: Phosphor kommt in der Natur überwiegend als Phosphat (PO43-) vor. In der Bio-Landwirtschaft sind als Düngemittel nur die schwer löslichen Rohphosphate erlaubt. Kalium darf in der Bio-Landwirtschaft nur bei K-Mangel eingesetzt werden und dann auch nur in Form von K2SO4.

 

Düngung in der Bio-Landwirtschaft

In der Bio-Landwirtschaft gilt der Grundsatz: „Wir düngen nicht die Pflanze, wir bauen die Humusqualität auf“. Natürliche Prozesse stehen in der Bio-Landwirtschaft im Vordergrund um die Pflanzen zu ernähren und die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten. Boden und Pflanze stehen in einer direkten Wechselwirkung. Durch Wurzelausscheidungen der Pflanze können schwer zugängliche Nährstoffe verfügbar gemacht werden. Pflanzenreste im Boden dienen als Nahrung für Bodenorganismen, die ihrerseits Nährstoffe für die Pflanzen zugänglich machen. Zwischen Boden und Pflanzen gibt es viele dieser Prozesse und in der Bio-Landwirtschaft werden diese Kreisläufe respektiert und gefördert (Wachendorf et al., 2018).

 

Organische Dünger

Ein wichtiges Instrument der Bio-Landwirtschaft ist die organische Düngung. Als organische Dünger werden meist tierische und pflanzliche Abfallstoffe aus der Landwirtschaft bezeichnet. Wirtschaftsdünger, z.B. Stallmist, Jauche, Gülle und Stroh, verwendet man häufig als Düngemittel. Organische Dünger bieten viele Vorzüge. Ist der Ackerbau mit der Tierhaltung gekoppelt, kommt es nicht zu einem zusätzlichen Nährstoffeintrag am Betrieb. Der Mist der Tiere kann am Acker als Dünger verwendet werden. Der einzige Nährstoffinput in den Kreislauf (Link Kreislauf) erfolgt über den Zukauf von Futtermitteln. Organische Dünger dienen der Verteilung von Nährstoffen und Humusvorstufen am Betrieb. Sie fördern die Mineralisierung (Umwandlung von organische in anorganische Substanz), die Bodengare (Zustand eines fruchtbaren Bodens) und die Strukturstabilität (Stabilität der Bodenporen) des Bodens. Zudem sind sie eine wichtige Futterquelle für die Bodenorganismen und helfen bei der Humusbildung (Friedel, 2015).
 

Info: Es dürfen nicht mehr als 170 kg N/ha Wirtschaftsdünger eingesetzt werden! Artikel 3 der EU-Bio-Verordnung (EG) Nr. 889/2008

 

Kompostierung

Die Kompostierung ist ein biologischer Prozess. Organisches Material wird unter aeroben Bedingung von Bakterien und Pilzen abgebaut. Es entstehen dabei stabile organische Verbindungen, die den Humusanteil, Anteil der toten organischen Substanz, im Boden erhöhen. Kompost ist ein Nährstoffdünger, der die Nährstoffe langsam an den Boden abgibt. Die Bodenfruchtbarkeit kann durch den Einsatz von Kompost am Bio-Acker verbessert werden (Wachendorf et al., 2018).

 

Kalkung

Eine Kalkung des Bodens, soll der Bodenversauerung entgegenwirken. Basisch wirkende Calciumverbindungen werden verteilt, um den pH-Wert des Bodens zu erhöhen. Böden, welche landwirtschaftlich genutzt werden, neigen zu einer Versauerung. Auch in der Bio-Landwirtschaft sollte eine gezielte Kalkung nicht vernachlässigt werden (Wachendorf et al., 2018). Kompost und andere organische Dünger werden als Düngemaßnahme in der Bio-Landwirtschaft am häufigsten verwendet. Der gezielte Einsatz einer gut geplanten Fruchtfolge, der Anbau von Zwischenfrüchten, die richtige Auswahl der Pflanzen und eine sachgerechte Bodenbearbeitung helfen ebenso die Pflanzen mit ausreichend Nährstoffe zu versorgen. Viele Faktoren nehmen auf das Wachstum der Pflanze Einfluss, die Grundlage ist jedoch ein fruchtbarer und lebendiger Boden.

 

Literaturverzeichnis
Friedel (2015): Pflanzenernährung und Düngung. Vorlesungsunterlagen Ökologische Landwirtschaft. Universität der Bodenkultur.
Liebig, J. (1865): Agrikulturchemie. 8. Auflage
Wachendorf, Bürkert und Graß (2018) Ökologische Landwirtschaft. Stuttgart. Verlag Eugen Ulmer.
Artikel 3 der EU-Bio-Verordnung (EG) Nr. 889/2008

Haftungsausschluss

"Der Inhalt dieser Veröffentlichung gibt allein die Meinung des Autors wieder, der allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen."

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