Bienen

Heute habe ich die Untermieterinnen und Untermieter des Rathauses in Wien besucht. Wobei „Unter“-mieter nur bedingt stimmt – denn eigentlich wohnen die Bio-Bienen ja oben auf dem Rathausdach. In Wien gibt es ca. 5.200 Bienenstöcke – über 50 davon auf Dächern verteilt über die Stadt.


 
Die Rathausbienen gibt es seit 2013. Damals waren es nur vier Bienenstöcke, mittlerweile sind es sieben Stöcke mit je 40.000-50.000 Bienen pro Stock. Aber gibt es auch genug Nahrung für die Bienen in der Großstadt? Absolut! Eine Stadt wie Wien bietet den Bienen einen vielfältigen Lebensraum und ein breites Nahrungsangebot durch Parks, Alleen, Blumeninseln und Balkonblumen. In gewisser Weise haben es die Kolleginnen und Kollegen vom Land sogar schwerer als die Stadtbienen, denn am Land wird oft geerntet oder gemäht, und dann bleibt für die Bienen nicht mehr viel übrig.

 
Wo liegt der Unterschied zwischen konventionellen und Bio-Bienen?

 

Der erfahrene Imker Herr Hauska hat mir die wichtigsten Unterschiede erklärt. Zunächst geht es um die (Zu-)Fütterung. Bio-Bienen dürfen ausschließlich mit Bio-Zucker bzw. daraus hergestellten Produkten zugefüttert werden.


 
Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt in den Mitteln, die zur Bekämpfung der Varroamilbe eingesetzt werden. Die Varroamilbe ist, neben dem Menschen, der größte Feind der Bienen. Diese Milben ernähren sich von der Hämolymphe der Bienen – also quasi ihrem Blut. Darüber hinaus vermehren sie sich sehr schnell und können so in kurzer Zeit ein Bienenvolk vollständig ausrotten.


 
Zu ihrer Bekämpfung setzt der Bio-Imker natürlich vorkommende Säuren ein. Verwendet werden Ameisensäure oder Oxalsäure, diese kommt z.B. in Rhabarber oder Spinat vor. Richtig dosiert tötet die Säure zwar die Milben ab, lässt die Bienen aber am Leben. Aber nicht nur die Imkerin bzw. der Imker sorgt für die Gesundheit des Bienenvolkes. Die Bienen selbst setzen Propolis - eine Mischung aus Harz und Balsam - ein, um den Bienenstock damit anzupinseln und so zu desinfizieren.

Zu Unrecht verurteilt

 

Bienen stechen übrigens nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Ich selbst war ohne jegliche Schutzkleidung bei den Bienen am Rathausdach und habe keinen einzigen Stich abbekommen, obwohl wir mit den Bienen auf Tuchfühlung gegangen sind. Herr Hauska hat mir erklärt, dass, wenn man selbst Ruhe bewahrt, auch die Bienen Ruhe bewahren. Ein Smoker, also ein Räuchergerät, kann die Bienen beruhigen, sodass sie sich nicht allzu schnell bedroht fühlen. Das ist vor allem für die Imkerin bzw. den Imker sehr hilfreich, da sie bzw. er so auch in den Stock hineinschauen kann, ohne Gefahr zu laufen, den ein oder anderen Stich zu kassieren.

 
Falls sich das nächste Mal eine Biene auf mich setzt, weiß ich jetzt auf jeden Fall Bescheid, dass sie sich nur kurz ausruhen möchte, bevor sie weiterfliegt, um unermüdlich Nektar zu sammeln, aus dem später der Honig für mein Frühstücksbrot wird. 

AMA-Biosiegel"

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