Bio bei Pflanzen - Der Boden – Die dünne Schicht die, die Welt ernährt!

Fruchtbare Böden sind die Grundlage für die Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Nahrungsmittel. Die Bio-Landwirtschaft ergreift viele Maßnahmen um den fruchtbaren Boden zu erhalten und zu fördern. Sachgerechte Düngung, vielfältige Fruchtfolge und geeignete Bodenbearbeitung beeinflussen die Fruchtbarkeit des Bodens und werden von den Biolandwirten gezielt eingesetzt (Friedel, 2015).

 

Der Boden ist der oberste belebte Teil der Erdkruste und besteht aus Wasser, Luft, mineralischen und organischen Bestandteilen. Er gehört zu den kostbarsten und schützenswürdigsten Gütern der Erde (Blume et al. 2010). Die Bodenneubildung ist ein Prozess der sehr langsam und über Tausende von Jahren stattfindet (Wachendorf et al., 2018, 69). Das bedeutet, dass der Boden nicht einfach vermehrbar ist (Blume et al. 2010).

 

Info: Durch Bodenverbauung entsteht in Österreich ein irreversibler Bodenverlust von ca. 12,9 ha pro Tag. (umweltbundesamt.at, 2018)

 

Funktionen des Bodens

Der Boden benötigt unseren besonderen Schutz. Die Funktionen des Bodens sind vielfältig. Er bildet nicht nur die Grundlage unserer Ernährung, sondern bietet auch einer Vielzahl an Lebewesen einen Lebensraum. Durch den Boden werden Schadstoffe gefiltert und unser wertvolles Grundwasser wird geschützt. Er fungiert ebenso als wichtiges Speichermedium für Regenwasser.

 

Nicht ohne Grund kann man sagen: Ohne Boden gäbe es kein Leben auf dem Land! Denn der Boden ist der Lebensraum für alle Landpflanzen. Über die Wurzeln versorgt er die Pflanzen mit Wasser, Sauerstoff und Nährstoffen. Für die optimale Versorgung der Pflanzengibt es einige Eigenschaften die der Boden aufweisen sollte. Eine gute Durchwurzelbarkeit ermöglicht der Pflanze einen guten Halt und sie kann ihr Wurzelnetz ausbreiten. Ein guter Wasser- und Lufthaushalt sorgt für ein ausgeglichenes Wachstumsklima im Boden. Enthält der Boden auch noch ausreichend Nährstoffe steht einer kräftigen und gesunden Pflanze nichts mehr im Wege. 

 

Nicht nur die Pflanzen, sondern auch viele Bodenorganismen nennen den Boden ihre Heimat (Friedel, Humus und Bodenfruchtbarkeit, 2017).  Es wimmelt im Boden nur so von Regenwürmern, Fadenwürmern, Spinnen, Milben, Laufkäfer und Kurzflügelkäfer, Bakterien und Pilzen.

 

Info: Auf einem ha in einer Tiefe bis 30c m leben 25 t Bodenlebewesen:

  • 10t Bakterien und Actinomyceten (Strahlenpilze)
  • 10 t Pilzen und Algen
  • 4 t Regenwürmer (Lumbriaceae)
  • 1 t Übrige Bodenfauna (Bodenbiologie Einführung: Zechmeister-Boltenstein, 3)

 

Wichtig ist aber nicht nur die Vielzahl der Bodenlebewesen, sondern auch ihre Funktion. Man unterscheidet je nach Funktion und Tätigkeit zwischen Produzenten, Konsumenten und Destruenten.
 

Produzenten: Zu den Produzenten zählen vor allem Pflanzen, wie zum Beispiel die Bodenalgen.  Ihre Aufgabe ist es aus anorganischem Stoffen, wie Kohlenstoffdioxid, Biomasse zu erzeugen. Die Photosynthese der Pflanzen, macht ihnen diesen Vorgang möglich.

Info: Photosynthese: „Aufbau organischer aus anorganischen Stoffen mit Hilfe von Licht.“ Pflanzen produzieren unter Zuhilfenahme von Wasser, Kohlenstoffdioxid und Lichtenergie den Zucker Glucose und Sauerstoff. 
 

Konsumenten: Der Energiebedarf der Konsumenten wird durch andere Lebewesen gedeckt. Das bedeutet, Konsumenten fressen Pflanzen und/oder anderen Konsumenten.
 

Destruenten: Zu den Destruenten gehören viele Bodenbakterien und Bodenpilze. Tote organische Substanz wird in anorganische Substanz abgebaut. Gemeinsam mit den Bodentieren übernehmen sie die wichtige Aufgabe des Abbaus der Pflanzenreste am Acker. Die Pflanzenreste werden so umgebaut, dass die darin enthaltenen Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar gemacht werden (Wachendorf et al., 2018, 70-71). Dieser Vorgang im Boden ist besonders in der Bio-Landwirtschaft wichtig, weil der Landwirt keine mineralischen Stickstoffdünger verwenden darf. Das Wachstum der Kulturpflanzen wird somit stark von Umfang und Geschwindigkeit des Pflanzenresteabbaus beeinflusst (Wachendorf et al., 2018, 70-71).

 

Bodengefährdung

Doch leider ist der Boden vielen Gefahren ausgesetzt. Eine davon ist der unmittelbare Bodenverbrauch durch Überbauung und Rohstoffgewinnung. Erosion und Verdichtung sind mechanisch-physikalische Einwirkungen, die ebenso eine Gefahr für den Boden darstellen. Die Bodenerosion bezeichnet den Verlust an Boden durch abtragende Medien (Wasser, Wind, Bodenbearbeitung). Die Bodenverdichtung, das ist das Zusammendrücken der Bodenporen durch starke Belastung, entsteht vor allem durch eine ungeeignete Bodenbewirtschaftung und den Einsatz von schweren Maschinen. Weitere Gefahren stellen der Eintrag von Schadstoffen (Pestiziden, Dünger, Schwermetalle, Säuren) und die land- und forstwirtschaftliche Übernutzung dar (Gerzabek, Folie 112, Bodenkunde, Was ist Boden?).

 

Viele dieser Gefahren werden durch eine unsachgemäße Bewirtschaftung der Flächen verursacht oder zumindest mitverschuldet. Die biologische Landwirtschaft ist sich der Notwendigkeit eines gesunden und fruchtbaren Bodens bewusst. Die Bewirtschaftung der Flächen darf nicht auf Kosten des Bodens geschehen. In einem der spezifischen Grundsätze der EU-Bio-Verordnung 834/2007 wird dieses Bewusstsein zu einem Bestandteil der Verordnung. Er lautet folgendermaßen: „Erhaltung und Förderung des Bodenlebens und der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens, der Bodenstabilität und der biologischen Vielfalt des Bodens zur Verhinderung und Bekämpfung der Bodenverdichtungen und -erosion und zur Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen hauptsächlich über das Ökosystem des Bodens.“

 

Fruchtbarer Boden, was heißt das eigentlich?

Definition Bodenfruchtbarkeit nach Mäder et al. (2002): Ein fruchtbarer Boden stellt die essenziellen Nährstoffe für das Wachstum der Kulturpflanzen bereit und weist eine vielfältige und aktive biologische Lebensgemeinschaft, eine typische Bodenstruktur und eine ungestörte Abbaufähigkeit auf.

 

Ein wichtiger Indikator für die Bodenfruchtbarkeit ist der Humusanteil im Boden. Humus sind alle abgestorbenen, organischen Substanzen des Bodens. Ausgangsmaterial sind Ernterückstände, Wurzelrückstände, Bestandesabfall, Stroh, Gründüngung und organische Düngung (Friedel, 2015, Bodenfruchtbarkeit).  Der Humus verbessert den Wasser- und Lufthaushalt, die Bodenwärme, die Bodenstruktur und die Filterkapazität. Mit dem Humus kann der Boden die Nährstoffe besser speichern, die die Pflanze zum Wachsen braucht und er liefert auch Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Schwefel.  Der Humus schützt uns auch, indem er toxische Substanzen immobilisiert.

 

„So wie der Humus eine Erzeugung des Lebens ist, so ist er auch die Bedingung des Lebens“ Hofbesitzer Albrecht Thaer 1821

 

In der Bio-Landwirtschaft wird die Fruchtbarkeit des Bodens durch diverse Maßnahmen gesichert. Eine gut geplante Fruchtfolge und der Einsatz von organischen Düngern sind zwei wesentliche Maßnahmen. Und das sind nicht nur gut gemeinte Ratschläge an die Bio-Landwirte. Nein, es steht explizit in der EU-Bioverordnung, was der Bio-Landwirt zu machen hat, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu gewährleisten. Artikel 13 EU-Verordnung (EG) Nr. 834/2007: „Fruchtbarkeit und biologische Aktivität des Bodens müssen durch mehrjährige Fruchtfolge, die Leguminosen und andere Gründüngungspflanzen einschließt, und durch Einsatz von aus biologischer Produktion stammenden Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft oder organischen Substanzen, die vorzugsweise kompostiert sind, erhalten und gesteigert werden.“

 

Eine ungeeignete Bodenbearbeitung und der Einsatz von schweren Maschinen stellen wie bereits erwähnt eine erhebliche Gefahr für den Boden dar. Die Anbauverfahren und die Bodenbearbeitung in der Bio-Landwirtschaft sollten so gewählt werden, dass sie den Boden nicht schaden. Besonders wichtig ist das die Bodenstruktur erhalten bleibt und Erosion und Verdichtung vermieden wird.

 

Info: Bodenbearbeitung: Lockern, rückverfestigen, wenden und mischen, dass alles sind mechanische Eingriffe die zur Bodenbearbeitung gehören. Die Aufgabe der Bodenbearbeitung ist es, den Acker für die Kultivierung der Feldfrüchte gut vorzubereiten. Aber das ist nicht alles, organisches Material wird in den Boden eingearbeitet, Beikräuter werden reguliert und Krankheiten und Schädlinge minimiert.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Boden die Grundlage eines jeden Landwirtes ist. Bio-Landwirte ergreifen viele Maßnahmen um den Boden fruchtbar und lebendig zu erhalten. Fruchtfolgen, die richtige Düngung, eine sachgerechte Bodenbearbeitung, Verzicht auf chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger, sowie die gezielte Förderung von Bodenlebewesen und Humus sind einige davon. Nur wer den Wert des Bodens erkennt, kann eine Landwirtschaft aufbauen die über Generationen hinweg eine Lebensgrundlage darstellt. 

 

Literaturverzeichnis

  • Mäder, P., A. Fliessbach, D. Dubios, L. Gunst, P. Fried, U. Niggli (2002): Soil fertility and biodiversity in organic farming. Science 296, S. 1694-1697.
  • Friedel, J. K. (2015): Ökologische Landwirtschaft 933101. Bodenfruchtbarkeit und Humushaushalt im Ökologischen Landbau. Universität für Bodenkultur. Vorlesungsunterlagen.
  • Blume et al. (2010): Lehrbuch der Bodenkunde. Scheffer/Schachtschabel. Springer Spektrum. 
  • Friedel (2017): Humus und Bodenfruchtbarkeit. Universität der Bodenkultur. Vorlesungsunterlagen.
  • umweltbundesamt.at (2018): Täglich werden 12,9 ha Boden neu verbaut. (Internetlink)
  • Wachendorf, Bürkert und Graß (2018) Ökologische Landwirtschaft. Stuttgart. Verlag Eugen Ulmer.
  • Gerzabek (s.a.)  Was ist Boden? Folie 112. Vorlesungsunterlagen Bodenkunde. Universität der Bodenkultur.
  • Zechmeister-Boltenstein (s.a.) Bodenbiologie Einführung, Folie 3. Vorlesungsunterlagen Bodenkunde. Universität der Bodenkultur.
  • EU-Bio-Verordnung (EG) Nr. 834/2007
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