Bio bei Tieren - Rinder

Rinder werden von österreichischen Bio-Landwirten besonders gerne gehalten. Von 100 Rindern sind 21 Bio-Rinder. Das sind in etwa 400.000 Bio-Rinder in ganz Österreich (BIO Austria, 2017). Bio-Rinder haben mehr Platz zur Verfügung, dürfen ins Freie und bekommen Bio-Futter. Ein eingestreuter, weicher Liegeplatz und ausreichend Bewegungsfreiheit sind weitere Forderungen der Bio-Landwirtschaft.

Das Rind so wie wir es heute kennen hat bereits einen langen Weg hinter sich. Der Vorfahre des Hausrindes ist der Auerochse, auch Ur genannt. Schon in der Steinzeit wurde der Auerochse von den Menschen aufgrund seiner Größe und Stärke verehrt. In der Jungsteinzeit, vor ca. 8.000 Jahren, begannen die Menschen das Rind zu domestizieren. Aus dem wilden Rind wurde ein Haustier. Das Rind war damals bereits ein wertvoller Fleischlieferant. Später wurde es auch noch als Zug- und Lasttier verwendet (schema.at, s.a.).

 

  • Das männliche Rind heißt Stier
  • Das weibliche Rind ist die Kuh
  • Das Kind der beiden ist das Kalb
  • Das kastrierte männliche Rind nennt man Ochse

 

Info: Damit die Kuh Milch gibt, muss sie erst ein Kalb bekommen!

 

Tierernährung

Das Rind ernährt sich von Pflanzen. Gras, Klee, Heu stehen auf den Speiseplan. Die Rinder nehmen große Mengen an Nahrung auf, da diese Pflanzen einen geringen Nährwert besitzen. Rinder sind Wiederkäuer. Das bedeutet, dass Rind legt sich nieder und würgt bereits gefressene Nahrung in kleinen Portionen wieder hoch und kaut sie erneut. Der Grund dafür ist, dass die pflanzliche Nahrung der Rinder schwer verdaulich ist (schema.at, s.a.). Wiederkäuer bieten uns einen großen Vorteil. Pflanzen, die von den Menschen nicht verwertet werden können, werden durch die Wiederkäuer gefressen. Durch Milch- und Fleischproduktion werden sie veredelt und den Menschen zugänglich gemacht (Herrmann und Plakolm, 1991, 344).
 

Ergänzt wird der Speiseplan der Rinder durch Kraftfutter. Das Kraftfutter steigert die Milch- und Fleischleistung.  
 

In der Rinderfütterungspraxis heißt das, dass dem Tier vor allem Raufutter (=Grundfutter) gefüttert werden sollte. Auch die Zusammensetzung und Qualität des Grundfutters ist von großer Bedeutung. Rinder verbringen 5-6 Stunden des Tages mit der Nahrungsaufnahme. Der Zugang zu Grundfutter sollte so oft wie möglich gewährleistet sein. Haben die Tiere immer Zugang zu Futter, dann darf ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 2,5:1 nicht überschritten werden. Werden die Tiere in Gruppen rationiert oder nur zu bestimmten Zeiten gefüttert, dann steht jedem Tier ein eigener Fressplatz zu (Infoblatt Rinderhaltung, 2014). Wenn es der Boden und die Witterungsbedingen erlauben, sollte das Rind Zugang zu einer Weide haben. Hier kann es ganz, der natürlichen Nahrungsaufnahme, nachgehen (EU-Verordnung 834/2007).

 

Alle Futtermittel des Rindes müssen Bio-Futtermittel sein. Da der Kreislaufgedanke in der Bio-Landwirtschaft einen hohen Stellenwert einnimmt, sollte das Futter möglichst vom eigenen Betrieb stammen. Dadurch vermeidet man einen großen Nährstoffeintrag in den Betriebskreislauf.

 

Tierhaltung

Für eine besonders tierfreundliche Haltung ist Wissen über Bedürfnisse und Verhalten der Rinder von Nöten. Rinder sind Herdentiere. Eine Gruppenhaltung, wo sie ihren Sozialkontakten nachgehen können, entspricht ihrer Natur. Sie sind tag- und dämmerungsaktiv. Ihre Zeit verbringen sie hauptsächlich mit der Nahrungsaufnahme oder ruhen. Damit sie ihrem Ruheverhalten nachkommen können, benötigen sie genug Platz. Auch ausreichend Raum für Bewegung, sollte den Tieren gestattet werden. Die Bio-Betriebe müssen bestimmte Grundanforderungen erfüllen, die in den EU-Bio-Verordnungen festgehalten sind. Den Rindern muss gemäß der EU-Bio-Verordnungen mehr Platz zur Verfügung stehen. Eine Mindeststallfläche und eine Mindestauslauffläche.

 

Der Stallboden in Bio-Betrieben muss trittsicher sein und mindestens 50% planbefestigt (keine Spalten). Da das Rind viel Zeit für Ruheverhalten benötigt, muss jedes Tier einen eigenen Liegebereich haben. Dieser Liegebereich ist ausreichend groß zu gestalten, sodass die Tiere bequem liegen können. Er ist sauber und trocken zu halten und mit natürlichen Material einzustreuen.

 

Für eine artgerechte Tierhaltung ist die Bewegung im Freien ein wichtiges Kriterium. Der permanente Zugang zu Freigelände ist in der Bio-Landwirtschaft verpflichtend, bevorzugt Zugang zu einer Weide, wenn es die Wetterbedingungen und der Bodenzustand erlauben. Wenn während der Weidezeit die Rinder an mindestens 120 Tagen Weide/Alpung gewährt wird und die Tiere in der restlichen Zeit im Laufstall gehalten werden, dann besteht außerhalb der Weidezeit keine Auslaufverpflichtung (Infoblatt Rinderhaltung, 2014. Anbindehaltung und Isolation sind verboten. Es gibt jedoch Ausnahmen, wenn es bei einzelne Tiere für einen kurzen Zeitraum, aus Tierschutz-, Sicherheits- oder gesundheitlichen Gründen notwendig ist. Es gibt auch eine Ausnahme aufgrund von strukturellen Gegebenheiten bei Kleinbetrieben. Dann müssen die Tiere allerdings im Sommer verpflichtend auf die Weide und im Winter zweimal pro Woche ins Freie können.

 

Was man vom Rind alles verwerten kann!

 

Milch und Fleisch, diese Produkte verbindet ein jeder sofort mit dem Rind. Doch das ist nicht alles, das Rind liefert noch viel mehr.

 

Rind- und Kalbsfleisch

Jährlich werden in Österreich 11,6 kg Rind- und Kalbsfleisch Pro-Kopf verzehrt, das entspricht einen Selbstversorgungsgrad von 146%. Die größten Produktionsgebiete von Rindfleisch liegen in Süd- und Nordamerika (14,5 bzw. 14,4 Mio. t), danach folgt mit einigem Abstand auch schon die Europäische Union (7,9 Mio. t) (Grüner Bericht, 2017). Der Bio-Anteil bei Fleisch ist relativ gering und liegt in Österreich bei etwa 4,6% (RollAMA, 2018).

 

Milch und Milchprodukte

Mit Milch- und Milchprodukten sind wir in Österreich gut versorgt. Die Konsummilch hatte 2016 einen Selbstversorgungsgrad von 162%, Obers und Rahm von 109% und Käse von 98%. Nur mit Butter sind wir unterversorgt mit 75% (Grüner Bericht, 2017). Der Bioanteil in der Trinkmilch steigt kontinuierlich, besonders in Österreich. Im ersten Quartal 2018 liegt der Bioanteil bereits bei 19,4 Prozent bezogen auf die Gesamtmilch in Österreich (RollAMA, 2018).

 

Es gibt viele verschieden Arten von Milch. Die Unterschiede kurz erklärt:

  • Milch: Als Milch wird das durchmischte, unveränderte Gesamtgemelk einer oder mehrere Milchtiere bezeichnet. Mit Milch ist meist die normale Kuhmilch gemeint. Milch anderer Tierarten wird entsprechend der jeweiligen Tierart bezeichnet, z.B. Schafmilch (Bio-Richtlinie, 2014, 53).
  • Rohmilch: Rohmilch isteine unbehandelte Milch, welche nicht über 40°C erhitzt wurde (Bio-Richtlinie, 2014, 53).
  • Frischmilch: Wird die Rohmilch pasteurisiert, entsteht die sogenannte Frischmilch (lebensmittellexikon.de, s.a.).
  • ESL-Milch: Die ESL-Milch wird zusätzlich noch konserviert um sie länger haltbar zu machen (lebensmittellexikon.de, s.a.).
  • H-Milch: Das ist Milch, welche ultrahocherhitzt wurde. Diese Milch ist am längsten haltbar (lebensmittellexikon.de, s.a.).

 

Literaturverzeichnis

schema.at (www.schema.at/hausrind) 23.05.18

Herrmann und Plakolm (1991): Ökologischer Landbau, Grundwissen für die Praxis. Wien. Österreichischer Agrarverlag.

Austria Bio Garantie (2014): Info-Blatt Rinderhaltung.

Wachendorf, Bürkert und Graß (2018) Ökologische Landwirtschaft. Stuttgart. Verlag Eugen Ulmer.

Bundesinstitut für Risikobewertung- BFR (2013) Transglutaminase in Fleischerzeugnissen. www.bfr.bund.de

EU-Bio-Verordnung (EG) Nr. 834/2007

EU-Bio-Verordnung (EG) Nr. 889/2008

lebensmittellexikon.de (s.a.): Frischmilch (30.05.18)

AMA-Biosiegel-Richtlinie (2014)

 

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